Das Siegerländer Bergland stellt mit seinen steilen Hängen, tiefgründigen Verwitterungsböden und den komplexen Schichten des Rheinischen Schiefergebirges besondere Anforderungen an jede Tiefgründung. In Siegen, wo die Wohnbebauung am Giersberg oder die Gewerbeobjekte im Siegtal auf völlig unterschiedlichen Baugrundverhältnissen stehen, reichen Standardlösungen selten aus. Die Mantelreibung in den örtlichen Hanglehmen verhält sich fundamental anders als im verdichteten Terrassenschotter der Flussaue – ein Detail, das über die Wirtschaftlichkeit des gesamten Projekts entscheidet. Unsere Bemessungsarbeit für die Pfahlgründungsbemessung verbindet lokale Kenntnis mit normativem Sachverstand: Wir korrelieren Sondierergebnisse aus CPT-Versuchen mit den spezifischen Bodenkennwerten des Standorts, um Tragfähigkeitsreserven gezielt zu aktivieren und teure Überdimensionierung zu vermeiden. Bei durchschnittlichen Jahresniederschlägen von fast 1.000 mm in der Region fließen die saisonalen Schwankungen des Grundwasserspiegels direkt in die Berechnung der Pfahlfußspannung ein.
Die EA-Pfähle definiert den Pfahlwiderstand als Summe aus Fußwiderstand und Mantelreibung – in Siegens Hanglehm-Verwitterungszonen dominiert oft die Mantelreibung mit über 70 Prozent Anteil an der Gesamttragfähigkeit.
Angewandte Methodik in Siegen

Typische technische Herausforderungen in Siegen
Zwischen dem Siegtal und den Höhenlagen des Giersbergs liegen geotechnisch gesehen Welten. Im Talgrund, etwa im Bereich der Innenstadt und des Bahnhofs, trifft man auf mächtige quartäre Auffüllungen mit wechselhafter Lagerungsdichte und eingelagerten organischen Linsen – hier kann eine reine Spitzendruckbemessung zu erheblichen Setzungsunterschätzungen führen. In den Hanglagen der Oberstadt hingegen dominiert der Übergang vom residualen Hanglehm zum anstehenden Schiefer, oft begleitet von Bergbau-Altlasten aus der jahrhundertealten Eisenerzgewinnung, die im Siegerland tiefe Spuren hinterlassen hat. Das größte Risiko liegt in der unentdeckten Trennfläche zwischen Lockergestein und Fels: Wird die Pfahlspitze knapp oberhalb der Felslinie abgesetzt, kann eine negative Mantelreibung durch Setzungen des darüber liegenden Bodens die Tragfähigkeit schlagartig reduzieren. Wir begegnen dem mit einer kombinierten Erkundung aus Kernbohrungen und Drucksondierungen, um die genaue Tiefenlage der Felsoberkante und die Scherfestigkeit in der Kontaktzone zu bestimmen, bevor wir die Einbindetiefe der Pfähle festlegen.
Benötigen Sie eine geotechnische Bewertung?
Antwort innerhalb von 24h.
Unsere Leistungen
Unsere Ingenieurleistung deckt den gesamten Prozess von der ersten Sondierung bis zur Ausführungsplanung ab und ist spezifisch auf die geologischen Bedingungen im Siegerland abgestimmt.
Individuelle Pfahlstatik und -bemessung
Berechnung des charakteristischen Pfahlwiderstands Rc,k aus Drucksondierungen und Laborwerten, einschließlich Gruppenwirkungsgrad und Setzungsprognose für Bohrpfähle und Verdrängungspfähle.
Beratung bei der Pfahltypauswahl
Technisch-wirtschaftlicher Vergleich von Schneckenortbetonpfählen, Vollverdrängungspfählen und Mikropfählen in Abhängigkeit von der lokalen Felsüberdeckung und den Erschütterungsvorgaben.
Prüfung und Monitoring dynamischer Pfahltests
Auswertung von dynamischen Pfahltests (PDA, Case-Verfahren) und statischen Probebelastungen zur Validierung der rechnerischen Bemessung, inklusive Erstellung der Freigabedokumentation.
Häufig gestellte Fragen
Welche Bodenkennwerte werden für die Pfahlbemessung in Siegen zwingend benötigt?
Die Bemessung nach EC7-1 erfordert in Siegen aufgrund der variablen Geologie zwingend die undrainierte Scherfestigkeit cu des Hanglehms sowie den Reibungswinkel φ‘ und die Kohäsion c‘ des verwitterten Tonschiefers. Diese Werte gewinnen wir aus einer Kombination von Drucksondierungen (CPT) und Laborversuchen an ungestörten Proben aus Kernbohrungen. Ohne diese standortspezifischen Parameter ist eine wirtschaftliche Auslegung der Pfahltragfähigkeit nicht möglich, da die EA-Pfähle für den Übergangsbereich Lockergestein-Fels keine pauschalen Erfahrungswerte zulässt.
Mit welchen Kosten muss ich für eine Pfahlgründungsbemessung bei einem Einfamilienhaus rechnen?
Für ein typisches Einfamilienhausprojekt in den Hanglagen von Siegen, bei dem etwa 8 bis 15 Bohrpfähle bemessen werden müssen, liegt der Honorarrahmen für die vollständige statische Berechnung und Ausführungsplanung zwischen €1.440 und €6.240. Der genaue Betrag hängt vom Umfang der erforderlichen Baugrunderkundung, der Anzahl der Lastfälle und der Komplexität der Einbindung in den Fels ab. Enthalten sind dabei die Bemessung, die Pfahlplanzeichnung und die Dokumentation nach DIN 1054.
Wann ist eine Pfahlgründung einer Flachgründung in Siegen vorzuziehen?
Sobald die tragfähige Schicht – in Siegen meist der unverwitterte Tonschiefer – tiefer als 2,5 Meter unter der geplanten Gründungssohle liegt, wird die Pfahlgründung wirtschaftlich interessanter als ein aufwendiger Bodenaustausch. Zwingend erforderlich wird sie bei Hanglagen mit einer Neigung über 10 Grad, wo die Gleitsicherheit der Flachgründung nicht mehr nachweisbar ist, oder wenn organische Weichschichten im Siegtal durchteuft werden müssen, die Setzungsdifferenzen von mehr als 1 cm erwarten lassen.